Stolpersteine

20. Verlegung in Würzburg:                                                   Eindrucksvolle Mitgestaltung durch die Klasse M9

Gleich zweimal beteiligten sich Schülerinnen und Schüler der Klasse M9 unserer Schule mit ihrer Klassenleiterin, Frau Kern, an der Verlegung eines Stolpersteines in Heidingsfeld. Mehr noch: Sie gestalteten den Ablauf der Veranstaltung wesentlich und eindrucksvoll mit.

Am Sonntag, den 20. September 2015 kam der Kölner Künstler Gunter Demnig zum 20. Mal nach Würzburg, um seine Stolperstein-Aktion zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus weiterzuführen. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde am Nachmittag im Frau-Holle-Weg in Heidingsfeld vor dem letzten Wohnort des NS-Opfers Karl Götz ein Stolperstein in den Gehweg gesetzt. Die Schüler hatten dafür einen kurzen Lebenslauf und Gedenk-Sätze vorbereitet, die sie den zahlreichen Teilnehmern der Verlegung vortrugen. Zu Ehren von Karl Götz, dessen Ur-Großneffe übrigens ein Schüler der M9 ist (!), wurden Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.

Auf einer zweiten Veranstaltung am Abend im Pfarrsaal der Hl. Familie leisteten die Schüler einen weiteren wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit und ihrer Verbrechen. Den Anwesenden wurde eindrucksvoll vorgetragen, unter welchen Umständen in der NS-Zeit vor allem geistig Behinderte als „lebensunwertes Leben“ erklärt und in besonderen Tötungsanstalten umgebracht wurden. Die Unmenschen bezeichneten diese Morde als „Euthanasie“, d.h. „Guter Tod“ oder „Gnadentod“. Karl Götz war aufgrund einer Hirnhautentzündung als 10-jähriger krank geworden. Er wurde im Jahr 1941 im Alter von 24 Jahren ermordet.

Durch ihre Recherchen und wohlformulierten Texte, gut gestalteten Plakate und Schilder, sowie den souveränen Vortrag beeindruckten die Schüler der M9 an diesem Abend und zeigten sich der anspruchsvollen Aufgabe in der Öffentlichkeit mehr als gewachsen.

 

Würzburger Stolpersteine 

Bilder von der Verlegeaktion im Frau-Holle-Weg Heidingsfeld

Bilder von der Abendveranstaltung im Pfarrsaal Hl. Familie

Das Leben von Karl Götz aus Heidingsfeld

Zum Gedenken an Karl Götz

 

Karl Götz wurde am 18. 08. 1917 als mittleres Kind von Max Götz und seiner Frau Rosa, geb. Heßdörfer in Würzburg geboren. Sein älterer Bruder Alfred Götz wurde am 28. 06. 1916 geboren, seine jüngere Schwester Hildegard (verheiratete Bitterlich) am 19. 12. 1919.

Der Vater von Karl Götz war von Beruf Schreiner und die Familie lebte in dem Haus in Heidingsfeld, Lothringerweg 43, das der Vater im Rahmen der Entstehung der Lehmgrubensiedlung gebaut hatte.

Nach der Eingemeindung Heidingsfelds nach Würzburg im Jahr 1930 wurde der Lothringerweg umbenannt in Frau-Holle-Weg, der heutigen Adresse für den Stolperstein für Karl Götz. Unter dieser Adresse lebt heute noch die Witwe des Sohnes von Alfred Götz, dem Bruder von Karl.

In einem Brief schildert der Sohn der jüngeren Schwester seine Erinnerungen:

Ich finde es gut und richtig, auch nach so langer Zeit, an dieses und ähnliche Verbrechen zu erinnern. Auch in unserer Familie wurde dieses Thema totgeschwiegen, auch eine Art mit dieser Grausamkeit fertig zu werden…“

Die Eltern von Karl haben sich wohl aus Scham über das, was mit ihrem Sohn geschah, nie geäußert.

Weiter erinnert sich der Neffe an Erzählungen seiner Tante, der Schwester von Karls Vater:

Er erkrankte im Alter von ca. 10 oder 11 Jahren an Hirnhautentzündung und es blieb ein Schaden zurück. Er blieb geistig auf dem Niveau dieses Alters stehen. Er war ein freundlicher und gutmütiger junger Mann, ein großes Kind. Nach einem Ausflug in den Volksgarten im Steinbachtal blieb er am Rande des Fußwegs stehen und urinierte. Das wurde von einer Person angezeigt und er wurde, ohne dass die Eltern Rechtsmittel einlegen konnten, nach Schloss Werneck bei Gemünden eingewiesen…“

Bei der Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck am 16. 08. 1936 war Karl Götz 19 Jahre alt. Vier Jahre lang lebte er in Werneck bis er auf Grund der Räumung der Heil- und Pflegeanstalt mit einem Sammeltransport in die „Zwischen-anstalt“ Großschweidnitz in Sachsen verlegt wurde.

Am 11. 03. 1941 wurde Karl Götz in die nicht weit entfernte „Tötungsanstalt“ Pirna-Sonnenstein transportiert und vermutlich noch am selben Tag ermordet.

In einem Schreiben aus Pirna-Sonnenstein wurde der Tod des Sohnes Karl den Eltern mit einem späteren Todesdatum 24. 03. 1941 mitgeteilt. Als Todesursache wurde Wundinfektion und Blutvergiftung angegeben.

 

Stolpersteine, MSH, Fr. Kern, M9, 20.09.2015

Gedanken der Schüler für Karl Götz:

  • Ich lege eine Rose nieder für Karl Götz, der aufgrund einer Beeinträchtigung aus seiner Familie gerissen wurde und in sogenannten Heil- und Pflegeanstalten schlecht behandelt und getötet wurde.
  • Ich lege eine Rose nieder für Karl Götz zur Erinnerung an ein Leben, über das andere Menschen eigenmächtig verfügt haben, es zerstört haben, ihm Leid zugefügt haben. 
  • Ich lege eine Rose nieder für einen jungen Menschen, dem seine Frage: "Wohin bringt ihr mich?" nicht beantwortet wurde.

 

  • Ich zünde eine Kerze an als Mahnung für meine Generation, damit wir solchen Gedanken und Ideen wie im Nationalsozialismus keinen Raum geben, dass wir aufmerksam und hellhörig werden und nicht auf Ähnliches hereinfallen.
  • Ich zünde eine Kerze an um uns allen Mut, zu machen, nicht zu vergessen, dennoch Vergebung zu üben. 
  • Ich zünde eine Kerze an, dass wir uns nicht gleichgültig verhalten und  wegschauen, sondern stets den Mut haben aufzustehen und den Mund aufzumachen, wenn bei uns Menschen Unrecht getan wird.